Nicht nur das original Sechziger-Interieur und der Silberbeefy machen die «Silberkugel» so legendär – sondern auch Maria Huber, die mit ihren achtzig Jahren dort noch Stammkunden bedient. Und das genauso energiegeladen und selbstbestimmt wie vor vierzig Jahren.

Sie ist die wohl bemerkenswerteste Serviceangestellte der Stadt: Maria Huber von der «Silberkugel». Im mittlerweile letzten Lokal der Burgerkette von Mövenpick in der Innenstadt gehört sie zum Inventar wie die ikonischen geschwungenen Tresen aus den Sechzigerjahren, an denen die Gäste gleichermassen nebeneinander wie auch vis-à-vis sitzen, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht. «Mir haben schon viele Gäste, die alleine leben und etwas einsam sind, gesagt, dass sie es schätzen, in dieser Form mit anderen Leuten zusammen zu essen – man fühlt sich irgendwie verbunden und hat doch seine Privatsphäre», sagt die Achtzigjährige mit dem perfekt frisierten weissen Schopf und den zweifarbig lackierten Fingernägeln. Vor bald vierzig Jahren kam sie zur «Silberkugel», als die drei Kinder aus dem Haus waren – und ist geblieben. Bis heute. Rund drei Stunden arbeitet sie heute noch pro Tag und, wenn es nach ihr ginge, würde das für immer so bleiben.

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Frau Huber, warum arbeiten Sie noch?
Nun ja, das hat mehrere Gründe. Einer davon: Mein Mann ist immer froh, wenn ich ein paar Stunden nicht zu Hause bin. Er hört nicht mehr gut und wenn ich mit ihm schwatze, geht es ihm auf die Nerven. Heute hat er auch gesagt: «Uh, gottlob gehst du wieder arbeiten – kommst du aber wieder heim?» (lacht) Und ich habe Freude am Arbeiten. Und sehr viele Leute haben Freude, wenn sie hierherkommen und ich sie bediene. Weil sie mich von früher kennen. So komme ich unter die Leute. Und das hält mich jung.

Gingen Sie irgendwann einfach zu Ihrem Chef und sagten: Ich möchte gern nach 64 weiterarbeiten?
Ja, wir haben einen ganz tollen Chef, der sagt, wenn jemand länger arbeiten will, dann darf sie oder er das auch. Ich habe auch noch eine Kollegin, Frau Kägi, die arbeitet zwei Tage pro Woche. Also vor Corona. Und die wird dieses Jahr neunzig Jahre alt!

Haben Sie Ihr Pensum schrittweise reduziert?
Ja sicher, ich habe früher mehr gearbeitet. Von 6 Uhr bis 14 Uhr und später, wenn viel los war.

Hat es auch mit Geld zu tun, dass Sie noch arbeiten?
Nicht wirklich, aber so ein Zustupf ist natürlich immer schön.

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Maria Huber (80) hat in allen ehemals acht «Silberkugel»-Filialen gearbeitet – mittlerweile gibt es nur noch die Lokale am Bleicherweg und in Oerlikon. Sie wohnt in Niederhasli und ist gelernte Modedesignerin.

Werden Sie in fünf Jahren immer noch arbeiten?
Ich glaube schon, wenn es körperlich möglich ist. Ich erlebe jeden Tag etwas, wenn ich hier arbeite. Einmal kam ein bekannter Politiker und fragte: «Sie, was soll ich heute essen?» Und dann sagte ich: «Schinken-Käse-Toast mit Spiegelei ist nicht schlecht am Morgen.» Und dann habe ich das zubereitet und wissen Sie, was er danach sagte? «Das schmeckt besser als zu Hause!» (lacht)

Wie war es für Sie während des Lockdowns, als Sie gar nicht arbeiten konnten?
Ich habe es vermisst. Es fehlt einfach die Struktur in der Woche, dann verschläft man irgendwie alles. Das höre ich auch von Bekannten immer wieder. Gerade gestern sagte ich: Gottlob darf ich morgen wieder arbeiten gehen. Es geht darum, dass man etwas rauskommt.

Was müsste passieren, damit Sie aufhören zu arbeiten?
Wenn mein Mann nicht mehr gesund wäre, dann würde ich sofort aufhören. Das ist ja klar. Und ganz ehrlich: Ich mag es nicht, wenn so wenig los ist hier, ich fühle mich nicht wohl, wenn nichts läuft. Aber das kommt ja bestimmt bald wieder.

Es ist 14 Uhr – Feierabend im Pandemie-Take-away-Betrieb. Frau Huber muss nach Hause, sie freut sich schon auf ihre Katze und den Mann: «Dann trinken wir erst mal einen Kafi miteinander.»

Video: Mattogrosso
Bilder: Romy Maxime
Text: Michèle Roten

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