Einkaufen macht bekanntlich glücklich: Ein platzsparender Hochleistungsmixer, der neuste Grossbildfernseher oder eine stylische Winterjacke – Angebote gibt es an jeder Ecke. Allerdings ist das Glück meist nur von kurzer Dauer, vor allem bei Käufen, die wir gar nicht wirklich brauchen. Warum reagiert unser Gehirn so stark auf Sonderangebote, und wie vermeiden wir es, dass wir für Schnäppchen unnötig Geld ausgeben?

Klar: Am meisten spart, wer gar nichts kauft. Doch dieser Ratschlag wäre etwas gar einfach und manchmal lohnt sich die Schnäppchenjagd ja durchaus. Für unser Gehirn sind Sonderangebote auf jeden Fall äusserst attraktiv, denn sie aktivieren unseren Jagdtrieb. Schon unsere Vorfahren freuten sich damals darüber, wenn sie auf der Jagd eine grosse Beute machten.

Seit zehntausenden von Jahren sind wir darauf programmiert, Chancen zum Aneignen von Ressourcen zu nutzen – erklärt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter von der Kalaidos Fachhochschule in Zürich. Dies passiere schnell und ohne lange zu überlegen: «Denn wenn wir die Ressource nicht nutzen, bekommt sie jemand anders. Heute ist es nicht mehr der Säbelzahntiger in der Savanne, den es zu jagen gilt, sondern das Sonderangebot im Onlineshop, das nur für einen begrenzten Zeitraum und in begrenzter Menge zur Verfügung steht. Dieses Verhaltensprogramm läuft automatisch ab, sobald eine dafür geeignete Situation in unserem Leben auftaucht.»

Dabei landen allerdings auch immer mal wieder Dinge im Einkaufskorb, die wir gar nicht unbedingt brauchen. «In gewissen Situationen sind diese Verhaltensprogramme von damals durchaus hilfreich, doch sie sind nicht dazu geeignet, sich in der heutigen Welt fehlerfrei zu bewegen. Glücklicherweise haben wir auch noch das rationale Denken. Dieses ist zwar langsamer und anstrengender als der Jagdinstinkt, doch durchaus in der Lage, uns vor Fehlkäufen zu bewahren», so Christian Fichter.

Denn das analytische Denken sei nicht nur in der Lage, unser Jagdverhalten im Nachgang zu analysieren, sondern könne auch dafür sorgen, dass es schon gar nicht erst zu Fehlern komme.

Für Händler ist dieser von Natur aus angelegte Hang zur Schnäppchenjagd höchst interessant. Kein Wunder, werden diese Mechanismen mit Sonderangeboten und Rabattaktionen gezielt angesprochen. 

Der Konsumentenschutz hat 2020/21 während mehrerer Monate die Preise von IT-Produkten und Unterhaltungselektronik verglichen und kam zum Schluss, dass sich in gewissen Fällen ein Kauf von Black-Friday-Angeboten tatsächlich lohnen kann, insgesamt jedoch nur wenig gespart werden kann.

Fünf Tipps für die Schnäppchenjagd

Woman's hand holding pen and open spiral notebook with blank white pages on light background. Wish list

1. Shoppingliste erstellen 

Eine Frage, die man sich vorab stellen sollte: «Was brauche ich tatsächlich?» In einigen Shops gibt es die Möglichkeit, Merklisten zu erstellen oder sich die entsprechenden Artikel schon vorab im Warenkorb zu speichern. So kann rund um den Black Friday relativ schnell geprüft werden, ob die gewünschten Artikel tatsächlich als Sonderangebot erhältlich sind.

Swiss franc banknotes and calculator. The current francs money bills and calc lies on table in big amount. The concept of taxation and money count in Switzerland

2. Budget definieren 

Schnäppchenjagd ohne Limit ist selten eine gute Idee. Denn statt Geld zu sparen, kauft man womöglich Dinge, die man später bereut. Ein klar definiertes Budget hilft dabei, Impulskäufe zu vermeiden und Angebote gezielter zu nutzen. Dabei kann es hilfreich sein, das Budget auf einzelne Kategorien wie Kleidung, Technik oder Haushaltsartikel aufzuteilen.

A red discount tag showing a 50% reduction hangs in front of an array of beauty and skincare products on neatly organized shelves in a retail store.

3. Preise vergleichen 

Ein Schnäppchen ist nur dann ein Schnäppchen, wenn der Preis wirklich bedeutend tiefer ist als im Normalfall. Der Rabatt wird oftmals auf Basis der unverbindlichen Preisempfehlung berechnet, selbst wenn der übliche Verkaufspreis tiefer ist als diese UVP. Dadurch kann ein Angebot deutlich besser wirken, als es tatsächlich ist. Die Preise zu vergleichen und die Preisentwicklung des entsprechenden Produktes zu prüfen, lohnt sich auf jeden Fall.

Sparen geht auch ohne Schnäppchen

Anstatt das Geld in Black-Friday-Angebote zu investieren, kann ein Sparplan langfristig deutlich mehr bewirken. Sie haben noch keinen Sparplan? Gerne helfen wir Ihnen bei der Umsetzung.

Female customer paying with credit card

4. Umtausch ausgeschlossen? 

In der Schweiz besteht gesetzlich kein allgemeines Recht, Waren zurückgeben oder umtauschen zu können. Viele Onlineshops und Geschäfte bieten freiwillig ein Rückgaberecht oder Umtauschmöglichkeiten an, diese liegen meist zwischen 7 und 30 Tagen.

Bevor jedoch etwas gekauft wird, lohnt es sich, zu prüfen, ob ein Widerrufsrecht beziehungsweise eine Rückgabemöglichkeit besteht, gerade auch bei Rabatten und Black-Friday-Angeboten. Einzig wenn ein Artikel defekt geliefert wird oder er nicht der Warenbeschreibung entspricht, besteht ein Anspruch auf Reparatur oder Rückerstattung. Die Rückgabe- und Umtauschbedingungen zu prüfen, ist also in jedem Fall empfehlenswert.

A pair of fretted blue jeans, brown shoes, and a camera lie by on the floor.

5. Auf Qualität statt Quantität achten 

Schnäppchenpreise wirken verlockend. Allerdings werden teilweise auch Artikel angeboten, die nicht von höchster Qualität sind. Kurzfristig mag der reduzierte Preis sich nach einem guten Kauf anfühlen, doch längerfristig wäre man mit einem hochwertigeren Artikel, der über Jahre gute Dienste leistet, besser beraten. Auch bei Mehrfachpackungen lohnt es sich, zu prüfen, ob das Angebot tatsächlich günstiger ist, als wenn man die Produkte einzeln kauft. Qualität und Quantität genau zu prüfen, bevor man sich zu einem Kauf entscheidet, ist also durchaus empfehlenswert. 

Mit cleverer Planung lassen sich am Black Friday und am Cyber Monday Fehlkäufe also durchaus vermeiden – oder man macht es gleich so, wie Wirtschaftspsychologe Christian Fichter empfiehlt: «An diesen Tagen weder ins Einkaufscenter gehen noch Onlineshops besuchen. So setzt man sich diesen Reizen gar nicht erst aus und spart dadurch garantiert auch viel Geld.»

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